Grundsatzpapier

Das INTHEGA- Grundsatzpapier…

…zum Erhalt der Vielfalt und zur eigenverantwortlichen Gestaltung der Theaterprogramme durch die kommunalen Träger und Veranstalter

Herausgegeben im Juni 1993

Die Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen tritt für eine eigenverantwortliche Kulturarbeit vor Ort ein. In jüngster Zeit wird sie, verursacht durch bedrängend knappe Haushalte der Städte und Gemeinden, in dem einen oder anderen Falle in Frage gestellt. Die INTHEGA bietet als Argumentationshilfe grundsätzliche Aussagen an, die nach vierzigjähriger Entwicklung eines eigenständig gewordenen Kulturlebens in Deutschland auch außerhalb der theatertragenden Städte zum Inhalt unseres heutigen kommunalen Verständnisses geworden sind.

I.
Kultur lebt heute wesentlich von den Initiativen der Städte. Die Städte sind Träger zahlreicher Kulturinstitute. Sie fördern die unterschiedlichsten kulturellen und künstlerischen Traditionen und Ausdrucksformen. Sie sichern und finden neue Wege, um kulturelle Angebote einem neuen Publikum zu öffnen und mehr Menschen zu eigenen musischen Aktivitäten anzuregen.

Die Städte haben sich in der Kulturarbeit eine erhebliche Eigenständigkeit bewahrt. Die Kulturhoheit der Städte muss deshalb in ihrer Vielfalt geschützt werden, sowohl im Interesse der Kultur selbst als auch der Menschen, die an ihr teilhaben.

Vor dem Hintergrund des technischen, wirtschaftlichen und sozialen Wandels erlangen Kunst und Kultur zunehmende Bedeutung für die Lebensgestaltung und Sinnfindung vieler Menschen. Kulturpolitik ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil kommunaler Daseinsvorsorge geworden. Kultur in der Stadt bedeutet,

  • die Kommunikation zu fördern und damit der Vereinzelung entgegenzuwirken,
  • Spielräume zu schaffen und damit ein Gegengewicht gegen die Zwänge des heutigen Lebens zu setzen,
  • die Reflektion herauszufordern und damit bloße Anpassung und oberflächliche Ablenkung zu überwinden.

Kultur fördert Kreativität, Lernfähigkeit und Innovationsbereitschaft.

II.
Der Ausbau der geistigen Infrastruktur unserer Städte ist heute eine zentrale Herausforderung und politischer Auftrag für die Städte und Gemeinden, denn Kulturpolitik ist in der Bundesrepublik Deutschland in erster Linie Kommunalpolitik. Deshalb kann dieser Kulturauftrag auch nur in Eigenverantwortung der Kommunen durch qualifizierte kulturelle Fachkräfte bzw. in Mitverantwortung der Kommunen durch kulturell wirkende Institutionen/Organisationen umgesetzt werden. Die Umsetzung des Kulturauftrages durch Dritte birgt die Gefahr, dass dieser Auftrag primär unter kommerziellen Gesichtspunkten durchgeführt wird, die Kultur der Beliebigkeit Dritter ausgesetzt wird und damit unserer Kultur und der Stadtkultur ihre Vielfalt und Individualität genommen wird. Sie birgt weiter die Gefahr, dass sich politisch Verantwortliche diesem Kulturauftrag entziehen und ihn damit ad absurdum führen.

(Quelle: Der kommunale Kulturauftrag – Schriftenreihe Deutscher Städtetag)