Corona-Regeln nehmen immer wahnsinnigere Formen an

24. November 2021

Starke, Dorothee - Foto Rainer BerthinEs ist unbestritten, dass die vierte Corona-Welle durch das Land schwappt und es höchste Zeit ist, Maßnahmen zu ergreifen. Was nun allerdings in einigen Ländern vorgegeben wird, ist für Kulturveranstalter schlicht nicht mehr umsetzbar, darauf weist INTHEGA-Präsidentin Dorothee Starke hin.

Bereits in den vergangenen Wochen haben die unterschiedlichen Regelungen der Länder insbesondere den Gastspieltheatern das Leben schwer gemacht und Tourneen nahezu undurchführbar gemacht. Wenn einzelne Städte in einer logistisch durchgeplanten Tour ihre Veranstaltungshäuser schließen müssen, führt dies zu kostenintensiven Off-Tagen, deren Folge häufig die Absage der kompletten Tour ist.

In Baden Württemberg wurden VeranstalterInnen darauf hingewiesen, dass „voraussichtlich ab morgen“ 2G+ gilt. BesucherInnen, die kurzfristig erreicht werden müssen, müssen sich also von heute auf morgen darauf einstellen, vor dem Theaterbesuch einen tagesaktuellen Test vorzulegen. Viele Testzentren wurden abgebaut, ggf. kommen zusätzliche Kosten auf die BesucherInnen zu. Es ist anzunehmen, dass unter diesen Voraussetzungen ein Großteil der Karten zurückgegeben wird.

In einzelnen Landkreisen Bayerns ist bereits der Lockdown verhängt, in anderen nicht. In Niedersachsen wurde kurzfristig das Warnstufenkonzept hinsichtlich der Hospitalisierungsraten verschärft. In anderen Bundesländern gelten wieder andere Richtlinien.

Es ist absolut notwendig, dass Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ergriffen werden. Die jetzt verabschiedeten kleinteiligen und extrem kurzfristigen Maßnahmen machen jedoch im Veranstaltungswesen eine verlässliche Planung unmöglich und verunsichern die Menschen. Vor diesem Hintergrund ist der Lockdown die klarere und ehrlichere Variante. Im Falle einer behördlich angeordneten Schließung können VeranstalterInnen wenigstens Ausfallhonorare zahlen bzw. genehmigte Hilfen aus Förderprogrammen für die KünstlerInnen und Rückzahlungen einsetzen.

Die INTHEGA, der Fachverband für die Gastspielbranche, vertritt rund 400 Mitgliedsstädte und setzt sich insbesondere für die Kulturarbeit im ländlichen Raum ein. Da Gastspiele in der Regel mit großem Vorlauf geplant sind, stellt die derzeitige „Ad-Hoc-Politik“ die VeranstalterInnen vor unlösbare Probleme, die sowohl Gastspieltheatern als auch den tourenden KünstlerInnen ihre Existenzgrundlage entziehen – so Dorothee Starke.

Foto: Rainer Berthin